Keramikpreis 2018 der Frechener Kulturstiftung

 

Wie Zeugen einer längst vergangenen Zivilisation stehen die Plastiken von Sarah Bartmann im Raum. Sie bilden mit sieben Vertretern eine Gruppe von maschienenartigen Gebilden, die jeweils aus Keramik und gefundenen Metallstücken zusammengefügt sind. Assoziationen stellen sich bruchstückhaft ein, und der Titel der Arbeiten bestätigt, dass man der Künstlerin auf der Spur gedanklich folgt: "Pojechali!" (russisch für "Auf geht´s), rief der russische Kosmonaut Juri Gagarin, als er 1961 den ersten bemannten Weltraumflug antrat, was allgemein eine große Faszination für die Weltraumfahrt auslöste. Schon als Kind -der nachfolgenden Generation- teilte Sarah Bartmann diese Begeisterung und setzte sich jetzt künstlerisch mit dem Thema auseinander. Die Materialkombinationen beziehen ihre morbide Ästhetik aus rostigen Metallobjekten und in gedeckter Farbigkeit engobierten und glasierten Keramikteilen. Spielerische Ansätze zeigen sich, wenn etwa die Metalldrähte der runden Schleifbürste durch die Oberfläche drücken oder einzelne Skulpturen durch kleine Lichtquellen sparsam illuminiert werden.

Das entscheidene Spannungsmoment wird aber erzeugt, indem sich die Künstlerin der Bildsprache der Popkultur aus den 1980er Jahren bedient. Könnten die Plastiken nicht ohne Weiteres den Requisiten von Science- Fiction- Filmen wie Tarkowskis S.T.A.L.K.E.R oder Endzeitfilmen wie der Mad- Max- Reihe entstammen? Ja und Nein, denn Sarah Bartmann begegnet diesen düsteren Beschreibungen von Leben und Verfall mit deutlich mehr Heiterkeit, Experimentierfreude und Neugierde auf das (ferne) Leben.

 

Jutta Idelmann

 

 


Foto: Helge Articus, Articus & Röttgen Fotografie

 

 

 

TALENTE München 2016

"Sarah Bartmann versteht ihre Objekte als Ergebnisse auf der Suche nach den Schnittpunkten von Design im Sinne eines Gegenstands mit konkreter Funktion und Kunst als einem Objekt ohne praktischen Nutzwert. Ihr Anliegen ist es dabei, Sehgewohnheiten zu durchbrechen und zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Kunst- und Designobjekten anzuregen. Bei den Arbeiten aus der Serie "Interstellare Talfahrt" widmet sich Sarah Bartmann dem Thema der Lampe. Um auf die verschiedenen Möglichkeiten und Abstufungen in der Gestaltung von Kunst- und Funktionsobjekten zu verweisen, entwirft sie drei unterschiedliche Gruppen von Gegenständen: Zunächst solche, die sich tatsächlich als Lampe nutzen lassen, dann solche, die nur wie Lampen aussehen, aber kein Licht spenden, und schließlich Objekte- "Raumplastiken"-, die nur noch an Lampen im weitesten Sinne assoziieren lassen. Dabei entstehen Formen, die wie kleine Satelliten oder Raumschiffe aussehen und aus verschiedenen Elementen zusammen gesetzt sind, darunter unterschiedliche Fundstücke. Die daraus resultierenden Objekte lassen ihre additiv zusammengesetztes Wesen klar, erkennen, wobei jedoch die Teile stimmig verbunden werden. Sie strahlen eine gewisse Archaik, Rauheit und Fremdartigkeit aus."

Dr. Michaela Braesel

Begründung der Jury für den Preis im Bereich Keramik 

Die Jury wählte keramische Arbeiten aus, die unterschiedliche aktuelle Standpunkte vertreten: Sarah Bartmanns kraftvolle, lebendige, Fundstücke integrierende Werke überzeugten durch ihre Eigenwilligkeit, ihre spielerische und experimentelle Qualität, durch das Changieren zwischen Objekt und funktionalem Gegenstand. Zugleich stehen die Werke beispielhaft für das Miteinander von Handwerk und Inhalten.

 

Keramikpreis Frechen 2015

"Ausgewogene skulpturale Stilleben aus funktionslosen Gefäßen. Kannen, die unverkennbar die ikonenhaft im Gedächnis verankerte Formenwelt der Bauhausmoderne zitieren. Der Gebrauch: lediglich für das Auge, eine Nutzbarmachung für den ursprünglichen Zweck verwehrt. Mit ihrer "Bauhaus- Kannen"- Rezeption will Sarah Bartmann einer (scheinbar) gescheiterten Idee ein Sinnbild geben. - Der Idee, dass Kunst und Design die Gesellschaft zu verändern vermögen. Sie setzt sich damit zugleich mit der Frage auseinander, ob es Grenzen zwischen freier Kunst und der Nutzbarkeit verpflichtetem Design gibt? Ob und wo sie sich selbst verorten muss. Und wenn schon das Bauhaus als gescheitert gelten muss, was folgt daraus für die momentanen Gefäßarbeiten von Sarah Bartmann? In ihren additiven Formen, mit ihren artifiziellen Oberflächen lassen diese etwaigen Gedanken an herkömmliche Nutzbarkeit gar nicht erst aufkommen. Es sind vielmehr, ganz ähnlich der Serie der erinnerten " Bauhaus- Kannen", plastische Bilder von Gefäßen, die sich vollauf selbst genügen und sich suchend mit dem umgebenden Raum verbrüdern."

Dr. Olaf Thormann Direktor, GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig